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Technische Wissenschaften

Viele spektakuläre technische Errungenschaften gehen auf polnische Konstrukteure und Bauingenieure zurück. Ernest Malinowski entwarf und baute im 19. Jh. die am höchsten gelegene Eisenbahnlinie Callao-La Oroya in Peru. Ralph Modjeski konstruierte mehrerer Brücken in den USA, darunter die Benjamin-Franklin-Brücke in Philadelphia.


Wussten Sie schon, dass...


...Stefan Bry³a die weltweit erste geschweißte Brücke erbaute?

Stefan Drzewiecki baute 1877 die ersten U-Boote und begründete die Theorie des Gleitflugs. Er betrieb Forschungen zum Vogelflug und nutzte die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die Luftfahrt. Drzewiecki baute das erste Aerodynamiklabor, entwickelte die Theorie der Schiffsschraube und des Schraubenantriebs. Er konstruierte außerdem eine neue Wasserturbine mit Seitenzulauf. Drzewiecki hat zur Konstruktion des Motorflugzeugs und zum Propellerbau einen wichtigen Beitrag geleistet. Ein Mitarbeiter Drzewieckis war Stanis³aw Rogalski. Die Konstrukteure Drzewiecki, Rogalski und Wigura gründeten die Konstruktionsgesellschaft RWD, die Sportflugzeuge herstellte. In den RWD-Werken entstanden die Flugzeuge RWD-5 bis, mit dem Stanis³aw Skar¿yñski 1933 den Atlantik überflog, RWD-6, mit dem ¯wirko und Wigura beim internationalen Flugwettbewerb Challenge 1932 siegten, sowie RWD-8 – eine massenhaft produzierte Übungsmaschine. Als nicht weniger berühmt erwies sich die  RWD-9, mit der Jerzy Bajan und Stanis³aw P³onczyñski 1934 beim Challenge-Wettbewerb siegten. Die Nachfolgerin RWD-14, auch Czapla ("Reiher") genannt, wurde zu einem Aufklärungs- und Beobachtungsflugzeug im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg ließ sich Stanis³aw Rogalski in den USA nieder, wo er bei Chase Aircraft Co. Trenton arbeitete und Mitkonstrukteur des Transportflugzeugs C-123 war. Anschließend tat er sich mit der Firma Grumman zusammen und lehrte an der Princeton University. Rogalski war in der Welt bekannt und hat mehrere prominente Schüler ausgebildet.

Jan Szczepanik ließ eine fotoelektrische Methode zur Produktion farbiger Gewebe patentieren und befasste sich mit drahtloser Telegrafie und Bildübertragung. Er konstruierte das Telektroskop – einen einfachen Prototyp des Fernsehapparates. 1902-03 beschäftigte er sich mit der Farbfotografie und 1906 baute einen neuen Typ des Kolorimeters. 1925 präsentierte er seine farbigen Kleinbildfilme in Deutschland und in der Schweiz. Aus Szczepaniks Erfinderwerkstatt kam auch der "Fotosculptor", der das Kopieren von Skulpturen ermöglichte, sowie eine seidene kugelsichere Weste, die dem spanischen Monarchen Alfons XIII. bei einem versuchten Attentat das Leben rettete.


Wussten Sie schon, dass...


...Janusz Groszkowski eine Methode zur Messung von extrem tiefen Temperaturen entwickelt hat?

Ein Pionier der Schweißtechnik und ihres Einsatzes in der Konstruktion war Stefan Bry³a. Als weltweit erster hat er Anleitungen zum Schweißen von Stahlkonstruktionen erarbeitet, die beim Hochhaus- und Brückenbau verwendet werden. Zur Konstruktion von Röhrengeneratoren haben die Forschungen von Janusz Groszkowski und eine von ihm erarbeitete Methode beigetragen. Groszkowski beschäftigte sich auch mit der Halbleiterelektronik. Er konstruierte das erste Magnetron mit Oxidkathode, das die Grundlage moderner Radare bildet. Seine Forschungen setzte er im Zweiten Weltkrieg fort. Er half auch, den Aufbau der deutschen V2-Rakete zu ergründen. Weltbekannt ist auch der polnische Konstrukteur Wac³aw Olszak, Gründer und Direktor des Centre International des Sciences Mécaniques im italienischen Udine. Der Professor erforschte die plastische Verformbarkeit von Werkstoffen, was bei Großobjekten, Viadukten und Brücken von Belang ist.

Die Krakauer Akademie (Alma Mater Cracoviensis) wurde 1364 vom König Kasimir dem Großen gegründet. Über die ersten 36 Jahre ihres Bestehens weiß man relativ wenig. Die Lehrveranstaltungen fanden wahrscheinlich auf dem Königsschloss Wawel statt. Kasimir der Große wollte Gebäude für die Akademie im Krakauer Stadtteil Kazimierz errichten, aber diese Pläne wurden letztendlich nicht umgesetzt. Nach der Erneuerung durch den König Wladislaw Jagiello und seine Gattin Hedwig wurde die Akademie zu ihren Ehren in Jagiellonen-Universität umbenannt. Anschließend erlebte die Hochschule bis etwa 1550 eine Blütezeit. Es gab mitsamt der Theologie vier Fakultäten, deren Ruhm sich in ganz Europa verbreitete. In der zweiten Hälfte des 15. Jh.waren 44 % der Lehrkräfte Ausländer. Es unterrichteten damals auch solche prominenten Gelehrten wie der Lehrer von Kopernikus, Wojciech von Brudzewo, Maciej Miechowita und Pawe³ W³odkowic. Mitte des 16. Jh. änderte sich die Situation. Die Universität ergriff Partei für die Gegenreformation, der Geist der Freiheit und des Humanismus wurde eingedämmt. 1656, während der "schwedischen Sintflut" beschloss der Senat der Akademie, die Hochschule aufzulösen, um dem König Karl Gustav nicht zu huldigen. Das symbolisierte die enge Verbindung von Hochschul- und Staatsangelegenheiten. Im 18. Jh. erlebte die Hochschule einen neuen Aufschwung. Hugo Ko³³±taj bereitete 1780 eine groß angelegte programmatische und Personalreform vor, wodurch eine moderne Bildungseinrichtung für das Königreich entstand. Eine dramatische Zeit in der Geschichte der Hochschule waren die Jahre der Teilungen Polens. In der ersten Hälfte des 19. Jh. wurde die Universität germanisiert. Von Autonomie und Toleranz kann erst gegen Ende des 19. Jh. die Rede sein. An der Universität arbeiteten zu jener Zeit hervorragende Gelehrte: Bobrzyñski, Tarnowski, Szujski, Olszewski, Wróblewski oder Cybulski. Nach dem ersten Weltkrieg schickte die Jagiellonische Universität 560 Professoren und Dozenten zu anderen Hochschulen und verstärkte dort das wissenschaftliche Personal. Dann kamen das Drama von 1939, die Sonderaktion Krakau und die düstere Besatzungszeit, die Verschleppung und Ermordung von Hochschulprofessoren. Nach dem Krieg nahm die Universität ihre wissenschaftliche und pädagogische Aktivität rasch wieder auf. Heute ist sie eine dynamische traditionsbewusste Hochschule. Zu ihren berühmtesten Studenten gehörten Nikolaus Kopernikus und Papst Johannes Paul II.


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