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Masuren und Suwalki-Land / Mazury und Suwalszczyzna

MASUREN UND SUWALSZCZYZNA

Die Masuren (Mazury) und das Suwałki-Land (Suwalszczyzna) sind ein großes historisches und ethnographisches Gebiet im Nordosten Polens. Es umfasst die Masurische Seenplatte sowie die sich östlich von ihr anschließende Seenplatte von Suwałki und Augustów (Pojezierze Suwalsko-Augustówskie). Diese Region wird häufig als das "Land der Tausend Seen" bezeichnet. Insgesamt gibt es jedoch 4000. Die zwei größten von ihnen sind der Spirdingsee (Jezioro Sniardwy: 113,8 km2) und der Mauersee (Jezioro Mamry: 104,5 km2). Beide liegen im Land der Großen Masurischen Seen. Der tiefste See (Hancza: 108,5 m) liegt in der Seenplatte von Suwałki (Pojezierze Suwalskie) und der längste (Jeziorak: 27 km) in der Ilawa-Seenplatte (Pojezierze Ilawskie). Größtenteils sind sie durch Flüsse oder Kanäle miteinander verbunden, von denen aus touristischer Sicht der Elbingkanal (Kanal Elblaski) und der Augustówer Kanal (Kanal Augustówski) am attraktivsten sind. Sehr populär ist auch die Route der Großen Masurischen Seen (88 km).

Die geographische Bezeichnung Masuren wird oft mit der Großen Masurischen Seenplatte (1700 km2) gleichgesetzt. Über 15 % des Gebietes machen Gewässer aus (ein Viertel der Gesamtfläche aller polnischen Seen). Weiter nördlich liegt das Suwałki-Land (Suwalszczyzna), das im Osten und Norden an Litauen und Belarus grenzt. Diese Ecke Polens unterscheidet sich von den anderen Landesteilen durch die Schönheit der postglazialen Landschaft, durch die Besonderheit des geologischen Aufbaus, durch Klimaeigenschaften, durch eine andersgeartete Pflanzen- und Tierwelt. Die Unterschiede treffen ebenfalls auf die Geschichte der Besiedlung und auf die ethnische und nationale Zusammensetzung der Bevölkerung zu.
Sowohl die Masuren als auch das Suwałki-Land sind ein Paradies für Segler und Kajakfahrer, für Liebhaber von Waldspaziergängen und für Erholungssuchende. Es gibt hier riesige Wälder wie die Puszcza Piska und die Puszcza Augustówska mit vielen Wander-, Rad- und Reitwegen sowie gotische Schlösser und Kirchen, die von den hier einst herrschenden Kreuzrittern errichtet wurden.

Nicht nur die Polen machen gern in den Masuren Urlaub. Hier gibt es gute Hotels und Gaststätten sowie unzählige Wassersporteinrichtungen. In den größeren Urlaubsorten (Mikołajki, Mragowo, Giżycko, Augustów) finden im Sommer Kultur- und Sportveranstaltungen statt.


DIE NATUR: WASSER, WASSER UND NOCHMALS WASSER

Die masurische Landschaft ist sehr vielfältig. Es gibt Hügel mit steilen Hängen, steinige Täler, rinnenförmige Ausläufern und flache, große Seen. Sie sind durch die Eiszeit entstanden. Die sich vor und zurück bewegende Eisschicht wirkte wie ein riesiger Bulldozer und hat wellenförmige Hügelreihen geschaffen.
Zwischen diesen Hügeln entstanden schmale und lange Rinnenseen. Der gleichmäßig zurückweichende Gletscher hinterließ Flachland und Tieflandmulden, wo später Torf- und Sumpfgebiete, sowie große, flache Seen mit zahlreichen Halbinseln, Inseln und Buchten entstanden.
Im frühen Mittelalter war das gesamte Gebiet mit dichten Wäldern bewachsen, deren Fläche mit der Zeit, infolge der Ansiedlung von Menschen immer mehr schrumpfte. Die Masuren überbieten jedoch nicht nur hinsichtlich der riesigen Wasserfläche der zahlreichen Seen, sondern auch hinsichtlich der Bewaldung die anderen Regionen des Landes. Die wertvollsten Waldgebiete stehen unter Naturschutz und sind Teil von Landschafts- bzw. Nationalparks.

DJohannisburger Heide: "Masurisches Meer" und polnische Pferdchen
Die Johannisburger Heide (Puszcza Piska) ist das größte Waldgebiet in den Masuren (86 000 ha) und eins der größten geschlossenen Waldgebiete des Landes. Es gibt Waldseen mit vielen Inseln, reizvolle Winkel in Flusswindungen. Größere Ortschaften sind auf "Landurlauber" und Segler gut vorbereitet. Man kann Waldwanderungen, Rad- und Kajaktouren machen. Durch die Wälder fließt der ungewöhnlich schöne Fluss Krutynia. Hier liegen auch der Spirdingsee, der Nidzkie-See und der Beldany-See.
Auf den sandigen Böden der Johannisburger Heide überwiegen Kiefern- und gemischte Kiefern- und Fichtenwälder, die 90 % ihrer Fläche ausmachen. Im südlichen Teil wachsen auch Birken und Espen, im Norden kommen Eichen und Buchen vor. In den Torfgebieten, die ein Zehntel des Urwalds ausmachen, wachsen Gras und Erlen. Im Unterholz blühen geschützte Pflanzen wie Asphodill, rundblättriger Sonnentau, blaues Sperrkraut und zehn Orchideenarten.
In der Vergangenheit beherrschten den Wald große Säugetiere wie Auerochsen, Bären und Vielfraße (auch Bärenmarder oder Järv genannt).
Auf den Waldwiesen lebten Wildpferde, die gegenwärtig, in der Gegend von Popielno, in einer Forschungsanstalt gezüchtet werden. Heutzutage begegnet man im Urwald den herrlichen masurischen Hirschen und majestätischen Elchen.

Säugetiere, die in der Johannisburger Heide vorkommen:

  • Reh
  • Wildschwein
  • Hase
  • Fuchs
  • Dachs
  • Wiesel
  • Marderhund
  • Wolf und Luchs (seltene Arten)
  • Biber
  • Fischotter
  • amerikanischer Nerzes (Mink)

Vogelarten in der Johannisburger Heide:

  • Schwarzstorch
  • Steinadler
  • Fischadler
  • Wiedehopf
  • Wachtelkönig
  • Schreiadler
  • Uhu
  • Höckerschwan
  • Graureiher
  • Kormoran
  • Kraniche u.v.a.

Fischarten in Gewässern der Johannisburger Heide:

  • Renke
  • Kleine Maräne
  • Brasse
  • Plötze
  • Ukelei
  • Barsch
  • Karausche
  • Hecht
  • Schleie
  • Wels
  • Aal

Auf dem Heidegebiet befindet sich der 1977 gegründete Masurische Landschaftspark (Mazurski Park Krajobrazowy; 53 600 ha). Das wertvollste Reservat ist der Luknajno-See, wo Höckerschwäne leben. Als Symbol des Parks gilt jedoch der Weißstorch, dessen Nester in vielen Dörfern zu finden sind. In Polen nisten übrigens jährlich 40 000 Storchpaare.

Vogelparadies Luknajno-See
In der Nähe von Mikołajki, im Reservat mit dem Luknajno-See (710 ha) lebt die größte polnische Höckerschwankolonie, die aus 1000 Paaren besteht. Dieser Ort wurde 1977 auf die Weltliste der Biosphärenreservate der UNESCO und 1978 auf die Liste der internationalen Reservate der Ramsar-Konvention gesetzt, die die wertvollsten von Sumpfvögeln bewohnten Gebiete schützt.

In der Johannisburger Heide gibt es in Kadzidlowo ein privates Tiergehege. Auf 60 ha leben Wölfe, Hirsche, Damhirsche, Elche, Wildpferde, Wildschweine, Kleinziegen, Esel und Biber. Man kann Wisente, Bisons und verschiedene Vögel beobachten: Auerhähne, Störche und Kraniche. Einige Tiere leben in freier Wildbahn, andere in Gehegen und im Kleintierpark.
Die Heide hat viele wunderschöne Seen. Der Bełdany-See und der Nidzkie-See sehen auf der Landkarte wie ein breiter Fluss aus, dessen Teile durch kleine Wasserbecken verbunden sind. Zusammen bilden sie eine 37,5 km lange Wasserstraße, die als der schönste Teil der Großen Masurischen Seenplatte gilt. Die nur von Wald umgebenen Seen hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck. Jede Windung entschleiert neue, malerische Ausblicke und in kleinen Buchten sind märchenhafte Badestellen versteckt.
Der Bełdany-See liegt im Masurischen Landschaftspark, der bald den Status eines Nationalparks bekommen soll. Segler lieben diesen See. Im Sommer trifft sich hier die High Society und protzt mit den schönsten oder zumindest mit den teuersten Jachten. Es mangelt auch nicht an Motorbooten, Wasserskifahrern und Fahrgastschiffen.
Der Nidzkie-See ist im Vergleich zum Bełdany-See still und man trifft hier viel weniger Menschen. Der ganze See gehört zum Landschaftspark und darf in bestimmten Ruhezonen nicht von Motorbooten befahren werden. An seinem Ufer liegen nur die Stadt Ruciane-Nida und die zwei kleinen Dörfchen Krzyże und Karwica. Ansonsten gibt es hier nur Forsthäuser und von der Welt abgeschnittene Weiler. Deshalb kommen weniger Wassersportfreunde hierher. Sie bevorzugen "zivilisiertere" Gegenden. In Richtung Süden begegnet man immer weniger Menschen. Der Nidzkie-See ist bei denen beliebt, die Ruhe und Natur mögen. Viele kehren jeden Sommer hierher zurück.
Den Status eines Reservats hat auch die durch den Wald fließende Krutynia, die zu den schönsten Kajakstraßen Polens gehört. Sie ist 100 km lang und führt über viele malerisch gelegene Seen. Die Krutynia ist eine leichte, für Anfänger geeignete Kajakroute, die ihrer Schönheit wegen sehr häufig befahren wird. Unterwegs gibt es viele kleine, gastfreundliche Städtchen und größere Urlaubszentren. Entlang der Ufer verlaufen Wander- und Radwege. In der näheren Umgebung liegen mehrere Naturschutzgebiete und viele behaupten, dass hier die schönsten Ecken der Masuren zu finden seien.
Mit dem Urwald von Pisz grenzt ebenfalls der zum Masurischen Landschaftspark gehörende Sniardwy-See (Spirdingsee), auch "Masurisches Meer" genannt. Er ist so groß, dass man kaum das andere Ufer erkennen kann. Auf dem See gibt es acht Inseln mit einer Gesamtfläche von 43 ha. Der Spirdingsee hat zwar eine imposante Größe von 22 x 13,4 km, ist aber sehr flach. An den tiefsten Stellen ist er 23,4 m, im Schnitt ist er nur 5,8 m tief. Für Segler ist er ideal. Sie sollten jedoch schon etwas Erfahrung mitbringen. Die sich schnell verändernde Witterung, starker Wind und hohe Wellen sind manchmal recht gefährlich. Über den See verläuft die Seglerroute der Großen Seen (88 km), die weiter nach Norden führt, u. a. durch den zweit- und drittgrößten See der Masuren: den Mamry-See und den Niegocin-See.
Am Ufer des Sniardwy-Sees, in Popiełno, liegt eine Forschungsanstalt der Polnischen Akademie der Wissenschaften, wo Polnische Pferdchen (Konik) gezüchtet werden. Man kann sie sowohl innerhalb der Forschungseinrichtung als auch in den umliegenden Wäldern in freier Wildbahn beobachten. In der Forschungseinrichtung befindet sich ebenfalls eine Hirschfarm und die einzige polnische Biberzucht.

Die zahmen Wildpferde von Popiełno
Das Polnische Pferdchen ist ein Nachfahre des Tarpan (Equus caballus gmelini), eines ausgestorbenen Säugetieres aus der Familie der Wildpferde, die einst die offenen Steppengebiete Europas bewohnten. Der letzte in freier Wildbahn lebende Vertreter dieser Tierart starb 1876 in der Ukraine. Ein Restitutionsversuch wurde in Polen (in Białowieża), vor dem Zweiten Weltkrieg durch eine Kreuzung der als Haustiere lebenden Tarpane vorgenommen. Die Zuchtanstalt befindet sich gegenwärtig in Popiełno.
Die Tarpane waren nicht besonders groß (ca. 1,30 m) und hatten einen leichten Körperbau. Die Polnischen Pferdchen haben einen stärkeren Körperbau und werden etwa 140 cm groß. Ähnlich wie die Tarpane wechseln sie ihr dunkles Sommerfell in ein helles Winterfell, ihren Rücken schmückt ein dunkler Streifen. Sie sind zahm und sehr widerstandsfähig.

Augustów-Wald: ehemalige Tundra
Der nordöstlich der Masurischen Seenplatte gelegene Augustów-Wald (Puszcza Augustówska) ist einer der größten Waldkomplexe Polens. Er bedeckt mit seinen 114 000 ha fast die gesamte Augustów-Ebene, die sich im südlichen Teil der Seenplatte von Augustów und Suwałki befindet. Das Gebiet ist flach und dünenreich. Auf dem sandigen Boden wachsen vor allem Kiefern und Fichten. Viele Bäume sind über 120 Jahre alt. Der größte Fluss der Region ist die Czarna Hancza. In den Wäldern sind viele Seen versteckt, von sehr kleinen Wasserbecken bis zu dem größten See des Suwałki-Landes - dem Wigry-See. Er ist über Teilstrecken des Augustów-Kanals mit anderen Seen verbunden: Necko-, Rospuda-, Białe- und Studzieniczne-See. Sie sind ein Paradies für Kajakfahrer und Segler. Im Wald kann man auch wandern und Rad fahren. Der bedeutendste Urlaubsort ist Augustów.
Im gesamten Urwald wachsen vor allem Kiefernwälder sowie gemischte Kiefern- und Fichtenwälder, die 80 % des Baumbestandes ausmachen. In den südlichen Sumpfgebieten gibt es viele Laubwälder, die aus Erlen, Espen und Eschen bestehen. Hier trifft man auf folgende Tierarten:

  • Reh
  • Hirsch
  • Fuchs
  • Wildschwein
  • Hase
  • Elch
  • Biber
  • Luchs
  • Wiesel
  • Edelmarder
  • Auerhahn
  • Birkhuhn
  • Schwarzstorch,
  • Reiher
  • Steinadler

Der Augustów-Wald ist ein europaweit bekanntes Vogelgebiet. Man findet hier Vogelarten, die hier schon vor 2000 Jahren genistet haben wie Strandläufer, Kreuzschnabel, Wacholderdrossel, Seetaucher und Sumpfeule.
Übrigens lebt hier auch die in Polen sehr seltene Sumpfschildkröte. In den Torfgebieten findet man seltene Schmetterlinge, u. a. arktische Arten.
Fischvorkommen:

  • Renke
  • Maräne
  • Aal
  • Hecht
  • Brasse
  • Schleie
  • Barsch
  • Plötze

Die größte touristische Attraktion des Waldes ist der 1824-1839 errichtete Augustów-Kanal (Kanal Augustówski). Die 102 km lange Wasserstraße verbindet die Zuflussgebiete der Weichsel und des Njemen. Sie beginnt mit der Schleuse Dębowo an der Biebrza und endet mit der in Belarus befindlichen Schleuse Njemnowo. Der polnische Teil des Kanals ist 80 km lang. Er durchfließt die kanalisierten Abschnitte der Flüsse Netta und Czarna Hancza und die Seen von Augustów. Zur Überwindung von 55 m Höhenunterschied dienen 18 Kammerschleusen, von denen sich 14 in Polen befinden. Die restlichen 20 km Kanalstrecke in Belarus sind leider zerstört worden und müssen bald saniert werden. Von den 14 polnischen Schleusen sind 9 fast in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Auf dem Kanal kann man Schiffsexkursionen unternehmen. Die hiesige, mit der Kajakroute der Czarna Hancza verbundene Wasserstrasse ist 98,5 km lang und gilt, ähnlich wie die Krutynia als eine der schönsten in Polen. Die Route ist leicht passierbar, auch für unerfahrene Kajakfahrer.
Entlang des Kanals liegen zahlreiche Dörfer, kleine Ortschaften und Campingplätze. An vielen Stellen hört man nur das Wasser rauschen und die Wasservögel zwitschern. Es gibt hier mehrere Naturschutzgebiete, die zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen sind. Einige Seen um Augustów sind streng geschützt.

Die zwei wertvollsten Naturoasen sind der Fluss Czarna Hancza und der Wigry-See. Die 147 km lange, in den Njemen mündende Czarna Hancza hat ihre Quelle in den Moränenhügeln nördlich des Hancza-Sees und durchfließt den Wigry-See. Die Czarna Hancza hat zwei Antlitze: von der Quelle bis zur Mündung in den Wigry-See ist sie ein wilder, schnell fließender Fluss mit großem Gefälle. Jenseits des Wigry-Sees wird sie zu einem Tieflandfluss, der behäbig durch die umliegenden Felder und Wälder mäandriert.
Der Wigry-See ist ein sehr großer See (2187 ha, max. Tiefe 73 m) mit unregelmäßigen Ufern. Seine Inseln und Buchten und die umliegenden Wälder sind überaus reizvoll. Einen Ufergang sollte man dem Besuch des Kamaldulenserklosters von Wigry widmen. In der unmittelbaren Gegend befinden sich etwa 40 andere Wasserbecken. Dazu gehören mitten im Wald liegende, nährstoffarme braune Seen, die meistens keine Zuflüsse und Abflüsse haben und von Torfgewächsen umgeben sind. Charakteristisch für diese Gegend sind kleine Dörfer, kleine Kapellen und Kreuze an den Wegesrändern.

Sowohl der Fluss als auch der See stehen unter Schutz. Dazu wurde 1989 der 15 ha große Wigry-Nationalpark (Wigierski Park Narodowy) geschaffen. Der Park gehört zu den wildesten und schönsten Ecken Polens. Hier wachsen 1000 Gefäßpflanzenarten, von denen 60 streng geschützt sind. An den Seen und in den Wäldern wachsen mehrere Farnarten, Sumpfbärlapp und viele Blumen, darunter 19 Orchideenarten. Es gibt seltene Pflanzen wie den insektenfressenden Sonnentau, die Zwergbirke, den Torfsteinbrech oder das königliche Läusekraut.
Im Wigry-Nationalpark leben 46 Säugetierarten. Die größten Raubtiere sind die Wölfe, die am häufigsten im südlichen Teil des Parks vorkommen. Es gibt aber auch Füchse, Marderhunde, Marder, Wiesel, Dachse, Hermeline, amerikanische Nerze und Elche. Charakteristisch sind für diese Gebiete die Biber, die als Symbol des Wigry-Nationalparks gelten und von denen es hier 250 Exemplare gibt.

Biber werden 30 Jahre
Der 18 bis 29 kg wiegende Biber lebt in Höhlen oder in etwa 2 m hohen, kegelförmigen Biberbauten, die aus mit Schlamm abgedichteten Zweigstücken unterschiedlicher Stärke und Länge bestehen. Wenn der Wasserpegel der kleinen Flüsse für den bequemen Transport der Nahrung zu niedrig ist oder wenn die sich unter Wasser befindlichen Eingänge zu ihren Verstecken aufgedeckt werden, errichten die Biber Stauanlagen, die den Wasserstand um 30-50 cm erhöhen. Der Biber ist imstande, innerhalb einer Nacht, einen dicken Baumstamm durchzunagen. Er wird durchschnittlich 30 Jahre alt. Im Sommer ernährt er sich hauptsächlich von Grün- und Wasserpflanzen, im Herbst von abgenagter Baum- und Sträucherrinde. In seinem Speiseplan bevorzugt er Espen, Weiden und Haselnusssträucher.

Im Park leben fast 200 Vogelarten, vor allem aus der Familien der Sperlinge sowie Wasser- und Sumpfvögel: Kreuzente, Höckerschwan, Möwe, Seemöwe, Kranich, Gans, Haubentaucher und Kormoran. Raubvögel: Steinadler, Fischadler, Mäusebussard und Habicht.

Der Norden des Suwałki-Lands - das polnische Alaska
Die nordöstlichen Grenzgebiete des Landes sind ein Märchenland. Es gibt wenig Gebiete von so bezaubernder Schönheit. Man findet gewellte Plateaus, hohe Hügel, viele Flüsse, Bäche, Seen mit unterschiedlich geformten Uferlinien, tiefe Schluchten und viele Findlinge. Das Suwałki-Land gehört neben den Gebirgsregionen zu den kühlsten Klimazonen Polens. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 6°C.
Die Landschaft wurde von einem Gletscher geprägt, der einst den europäischen Kontinent bedeckte. Es gibt hier viele eiszeitliche Formen: Moränen, Hügel mit flachen Gipfeln, Hügelterrassen, lange, schmale, gewellte Hügel aus Sand und Kies sowie trommelförmige Lehmaufschüttungen und Rinnen. Sie sind jung und deutlich ausgeformt, da der Boden hier am längsten vergletschert war.

Im Gebiet um Suwałki liegen 160 Seen, die jeweils über 1 ha groß sind, darunter der berühmte Hancza-See. Meist sind sie lang, rinnenförmig und tief. Sie sind häufig durch Flüsse verbunden wie z. B. die malerische Route der Rospuda: ein Paradies für Kajakfahrer. Manche Seen sind aus Schmelzwasser entstanden. Sie sind meist breit und oval und haben flache und buchtenreiche Ufer. Außerdem findet man hier viele kleine, runde Seen, die, wenn sie flach und mit Pflanzen bewachsen sind, als "Augen" bezeichnet werden und als "Kessel", wenn sie tief sind.
Das strenge Klima hat die Natur stark geprägt, daher treten hier viele, in anderen Teilen Polens nicht vorkommende boreale (nördliche) Pflanzenarten auf, wie z. B. die Zwergbirke und die Lapplandweide. Von den einst den Norden des Suwałki-Lands bedeckenden Urwäldern sind lediglich Randstreifen erhalten geblieben. Es gibt keine größeren Waldkomplexe, sondern weite Felder, die von vielen kleinen Wäldchen durchbrochen werden.

Außer den für Polen typischen Arten leben hier seltene boreale Tiere wie z. B. Tannenhäher, Waldbirkenmaus und im Hancza-See kleinere skandinavisch-baltische Krustazeen und Groppen mit stacheligen Flossen. Sehr reich ist ebenfalls die Vogelwelt. Hier leben u. a. Schwarzstorch, Schwarzspecht, Schwarzkopfmöwe, Reiher, Sperber, Kranich, Mäusebussard, Krähe und Steinadler. Den Reichtum der Fauna ergänzen edle Fischarten wie Renke, Maräne, Stint, Aal oder Bachforelle sowie Krebse und zahlreiche Lurch- und Insektenarten.
Die in reiner, klassischer Form erhalten gebliebenen postglazialen Landschaftsformen und die herrliche Natur gehören zum Landschaftspark von Suwałki (Suwalski Park Krajobrazowy). Der 1976 gegründete, 6284 ha große Park verzaubert durch seine beinahe gebirgige Landschaft. Am interessantesten sind der Hancza-See, der Eibenberg und die Reservate mit Wanderblöcken aus der Eiszeit.

Der tiefste See Polens und der gesamten Mitteleuropäischen Ebene ist der 108,5 m tiefe Hancza-See. Er steht unter Naturschutz und hat u. a. steinige Strände, die sonst an Tieflandgewässern kaum zu finden sind. Eine weitere Besonderheit sind sein eigentlich für Meere typischer Schelf (Kontinentalsockel) am Ufer und Restvorkommen von Krustazeen, die sonst nur in den Gebirgsseen Skandinaviens leben. Der See liegt an der westlichen Grenze des Parks und ist 304 ha groß. Seine Ufer, insbesondere im Westen, sind steil und hoch.
Der Hancza-See erinnert mit seinem klaren Wasser und seiner spärlichen Pflanzenwelt an einen Gebirgssee. Hier leben 23 Fischarten, darunter so seltene wie Groppe, Renke, Maräne und die 1991 restituierte Lachsforelle. Im Park gibt es sehr interessante geologische Reservate, in denen es viele Ansammlungen von Findlingen gibt. Am interessantesten ist diesbezüglich das 1 ha große Findlingsreservat Glazowisko Bachanowo an der Czarna Hancza. Die umliegenden Felder, das Tal und das Flussbett der Czarna Hancza sind mit Findlingen übersät: die kleineren haben einen Umfang von 0,5-3 m, die größeren von 6-9 m.

Eine andere Besonderheit der Region ist der Eibenberg (Góra Cisowa), auch "Fudshijama von Suwalki" genannt. Obwohl er weder die höchste (258 m), noch größte Erhebung ist, wurde der Berg zum Symbol des Suwałki-Landes. Berühmt machte ihn seine ungewöhnliche Schönheit. Er hat die Form eines gleichmäßigen Kegels, der sich über den steilen Hang des großen Flusstales der Szeszupa erhebt und fast von jeder Stelle des Landschaftsparks von Suwałki sichtbar ist. Die reguläre, naturwidrige Form des Berges ist ein Rätsel für die Wissenschaft. Vom Gipfel aus kann man fast das gesamte märchenhafte Panorama des Landschaftsparks von Suwałki überblicken: das weite, tiefe Tal mit bewaldeten Hügeln sowie blaue Seen und grüne Wiesen, durch die sich die Szeszupa schlängelt.

STÄDTE UND ORTSCHAFTEN: SEGELN UND BESICHTIGEN

Nikolaiken: eine belebte Anlegestelle
Die Ortschaft Nikolaiken (Mikołajki), die poetisch als die "Perle der Masuren" bezeichnet wird, liegt auf dem schmalen Landstreifen zwischen dem Mikołajki-See und dem Talty-See. Die 4000-Seelen-Gemeinde wird im Sommer zu einem lebhaften Urlaubsort. Manche verbringen hier ihren Urlaub, andere kommen nur für einen Tag oder übers Wochenende. Die Anlegestelle ist voller Segelboote. Den ganzen Sommer über finden im Seglerdorf am Mikolajki-See Veranstaltungen statt, z. B. das Festival der Seemannslieder "Shanties in Mikolajki" und viele erstrangige Seglerregatten statt (z. B. die Seglermeisterschaften der Polnischen Journalisten). Dieses kleine, wohnliche Städtchen mit harmonischer Bebauung hat ganz auf den Tourismus gesetzt.
Am Mikolajskie-See gibt es sehr schöne Ecken. An dem über 1 km langen Kai liegen Hunderte Jachten an. Es ist die größte Anlegestelle in den Masuren. Man findet viele Imbisstuben und die Anlegestelle der Masurische Reederei. Von hier kann man einen Schiffsausflug auf dem Spirdingsee (Jezioro Œniardwy) und nach Ruciane und Giżycko machen. Dahinter befindet sich das bekannte Seglerdorf mit Kneipen, die romantische Namen tragen. Hier treffen sich die Bootsfreunde aus den gesamten Masuren, um bei einem Glas Bier ihr Seemannsgarn zu spinnen. Zu einem Aufenthalt auf der Masurischen Seenplatte und in den Masuren gehört ein Mikolajki-Besuch unbedingt dazu. Auch wenn man die Natur den Seemannsliedern und dem Bier vorzieht, kann ein kurzer Mikolajki-Besuch zu einer angenehmen Abwechslung werden.

Lötzen: viel Grün und viele kleine Kirchen
Lötzen (Giżycko) ist eine 30 000 Einwohner zählende Stadt auf dem schmalen Landstreifen zwischen Mauersee und dem Löwentinsee (Jezioro Mamry und Jezioro Niegocin). Reisführer kürten sie zur Sommerhauptstadt Polens, weil sie in dieser Jahreszeit zu einem großen Erholungs- und Seglerzentrum wird. In den letzten Sommern ist in Gieżycko immer unheimlich viel los gewesen. Im Juli und August finden am Ufer des Löwentinsees Konzerte und Diskos statt, die bis zum Morgen dauern. Übrigens findet man bei einem Lötzen-Spaziergang vereinzelt sehr schöne Gebäude sowie moderne Architektur. Im Sommer ist die Stadt voller Grün. In Gizycko gibt es erstaunlich viele Kirchen verschiedener Religionen: katholische, protestantische, griechisch-katholische und eine orthodoxe. Es gibt auch Gotteshäuser der Baptisten, der Pfingstler und der Zeugen Jehovas.
Die Stadt hat einen Badestrand und zwei Häfen. Besonders bei Sonnenuntergang lohnt es sich, auf die weit in den See herausragenden Mole zu gehen. Der Walt um Giżycko hat viele Wander- und Radwege. Auch die Schiffe der Masurischen Reederei legen hier an.

Sztynort: das Mekka der Segler
Das Dorf Sztynort ist 30 km von Giżycko entfernt und liegt auf einer malerischen Halbinsel zwischen Dargin-See, Kirsajty-See und dem märchenhaften Sztynort-See, der sich inmitten eines dichten Waldes befindet. Man hat hier eine große Anlegestelle und das beliebte "Seglerdorf". Durch Sztynort verlaufen mehrere Wander- und Radwege. Auf der Landzunge des Dargin-Sees liegt das Reservat Mokre (7 ha) mit Erlenbewachsenen Schwemmgebieten. Darüber hinaus gibt es hier alte Eschen, Eichen und Fichten. In der Nähe des Reservats leben Elche.
In Sztynort kann der ehemalige Sitz der Familie Lehndorff besucht werden - ein barocker Palast aus dem 17. Jh. inmitten eines Parks mit alten Eichen, Linden und Hainbuchen. In der Nähe sind alte Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jh. erhalten geblieben.
Der Hafen von Sztynort gleicht in seiner Berühmtheit dem Seglerdorf in Mikolajki. Die großen und solide gebauten Anlegestellen ragen weit in den See hinaus. In einem der einstigen Wirtschaftsgebäude befindet sich die Kultkneipe der masurischen Segler "Zeza". Am Tage wirkt die dunkle Bar mit ihrer hohen, gewölbten Decke alltäglich, doch am Abend ist sie wie verwandelt. Dann ist sie gerammelt voll. An den aus Holzbohlentischen sitzen viele Leute mit Gitarren und die Gäste singen Shanties und Seemannslieder. Dabei fließt reichlich Bier. Man kann aber auch die lokale Spezialität wählen - den Sztynorter Kräuterschnaps. Wer einmal die freudige Atmosphäre und den fröhlichen Seemannsgesang in der Zeza miterlebt hat, wird immer wieder hierher zurückkommen.

Augustów: zwischen drei Seen
Die im westlichen Teil des Augustów-Waldes, an Necko-, Biale- und Sajno-See gelegene Stadt, wurde einst als "Venedig des Nordens" bezeichnet. Wegen seines spezifischen Mikroklimas und der großen Torfschlammvorräte erhielt Augustów den Status eines Kurortes. Im Sommer wird die Stadt (30 000 Einwohner) zur Touristen-Metropole, worauf sie mit Erholungsheimen, Anlegestelle und Stränden gut vorbereitet ist. Für Kurzweil sorgen der Augustower Theatersommer und "die Sommermeisterschaften im Schwimmen auf Amphibienfahrzeugen".
Augustów wurde im 16. Jh. von König Zygmunt August gegründet. Die Volkssagen verbinden die Entstehung der Stadt mit der romantischen Liebe zwischen dem König und Fürstin Barbara Radziwillowna. Zygmunt August liebte die Frauen und die Jagd. Er soll die Stadt als Andenken an das erste Randezvous mit seiner Geliebten angelegt haben. Dieser großen Leidenschaft sind wahrscheinlich sämtliche Privilegien zu verdanken, die der Stadt verliehen wurden. Die Atmosphäre von Augustów ist für romantische Spaziergänge bestens geeignet. Die größte Attraktion sind die Wälder und Seen, die bis in die Stadt reichen, sowie der malerische Fluss Netta. Der Necko-See schimmert beim Sonnenuntergang besonders schön. Der große Zygmunt-August-Markt und die davon ausgehenden Straßen sind in ihrer ursprünglichen Anlage erhalten geblieben. In der Mitte des größten Platzes befindet sich ein Park aus dem 19. Jh. mit großem Baumbestand, darunter vier 20 m hohe Ahornbäume, die als Naturdenkmäler gelten. Auf den umliegenden Seen kursieren die Schiffe der Augustower Reederei. In der Nähe verläuft auch der Augustów-Kanal.

Wolfsschanze: Führerhauptquartier
Bei der Stadt Rastenburg (Kętrzyn), die wegen ihrer Kreuzritterburg aus dem 14. Jh. bekannt ist, liegt die kleine Ortschaft Gierloz. Hier befand sich das berühmte Führerhauptquartier von Adolf Hitler, auch Wolfsschanze (Wilczy Szaniec) genannt. Auf 2,5 km2 entstanden 80 Bauten, darunter 50 Bunker. Hitler und die Hauptbefehlshaber der Wehrmacht wohnten hier mit kurzen Pausen ab 1941. Das Führerhauptquartier war bestens gesichert. Es bestand aus einem System von Tunneln und Räumlichkeiten mit 8 m dicken Wänden aus Stahlbeton. Hier fand 1944 das missglückte Hitler-Attentat statt.
Auf die Nachricht hin, dass die Rote Armee im Anmarsch ist, hat die Führung der Wehrmacht die Wolfsschanze verlassen und im Januar 1945 wurde alles durch die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht in die Luft gesprengt. Heute kann man nur die Ruinen von Bunkern und die Luftschutzräumen besichtigen. Durch die Wolfsschanze führt ein ausgeschilderter Wanderweg.

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