GROSSPOLEN /WIELKOPOLSKA/
Großpolen (Wielkopolska) liegt in West- und Mittelpolen, im Zuflussgebiet der Warta /Warthe/ und teilweise in den Zuflussgebieten der mittleren Oder und der unteren Weichsel.
Es ist die älteste und mit den Anfängen Polens verbundene Region. In einem Sumpfgebiet hat man hier in Biskupin vor 70 Jahren eine Wehrsiedlung aus der Eisenzeit (550-400 v. Chr.) entdeckt. Die Herrscher des Volksstammes Polanen errichteten in diesen Gebieten seit dem 7. Jh. ihre Burgen. In Großpolen wurden auch die ersten polnischen Könige gekrönt. Bis zum 11. Jh. war es das politische Zentrum des Landes.
Die größte Stadt der Region ist die geschichtsreiche Messestadt Poznan /Posen/.
50 km weiter östlich liegt die erste Hauptstadt Polens – Gniezno /Gnesen/. In vielen Kleinstädten und Dörfern stehen alte, einst von großpolnischen Adelsfamilien bewohnte Höfe, Schlösser und herrliche Paläste. Inmitten der Wälder und Seen des Notec-Urwalds und der Großpolnischen Seenplatte gibt es viele Freilichtmuseen und archäologische Schutzgebiete.
Natur
In Wielkopolska dominieren weite, flache Felder. Zwischen den Flüssen Warta und Notec liegt der Notec-Urwald (Puszcza Notecka), eines der größten Waldgebiete Polens (135 000 ha). In dieser Region gibt es zwei Nationalparks. Der südlich von Poznan gelegene Wielkopolski Park Narodowy /Großpolnischer Nationalpark/ übt für die Posener eine ähnliche Funktion aus, wie der Urwald von Kampinos für die Warschauer: es ist die „grüne Lunge” der Stadt. Der größte Teil des Nationalparks ist bewaldet – es überwiegen Kiefernwälder sowie Mischwälter mit Kiefern und Eichen. Diese Gebiete sind für Erholungssuchende sehr geeignet. Der Park ist wie ein Freilichtmuseum postglazialer Formen. Als sich das skandinavische Eis einst zurückzog, hinterließ es Rinnen, Hügel, Moränen, Wälle und Hügel mit flachgeschürften Gipfeln. Der flächenmäßig kleine Park birgt 11 verschiedenförmige Seen. Am schönsten ist der Rinnensee – Jezioro Goreckie.
Im Jahr 2001 wurde der Nationalpark „Warthe-Mündung” (Park Narodowy „Ujscie Warty”) gegründet, der nahe Mündung der Warthe in die Oder liegt. Er besteht aus feuchten, zeitweilig überschwemmten Wiesen, aus Weidengestrüpp, Kanälen, alten Flussbetten sowie einigen Dammwegen und Deichen. Man hat ihn angelegt, um seine einzigartige Vogelwelt zu schützen. Die sich über hunderte Hektar hinziehenden unzugänglichen Auewiesen sind ein idealer Lebensraum für Wasser- und Schwimmvögel. Es leben hier 245 Vogelarten. Im Herbst machen an der Warthe-Mündung bis zu 200 000 Zugvögel Station, so dass manchmal der ganze Himmel von ihnen übersäht ist. Die Natur kann man am besten beim Wandern oder mit dem Fahrrad erkunden. Bevor man sich allein in den Park aufmacht, sollte man sich eine aktuelle Karte kaufen und eine ausgeschilderte Route wählen. In der Region wächst stetig die Zahl der Hotelbetten und es gibt immer mehr Bauernhöfe, auf denen man übernachten und sich erholen kann.
Städte und kleinere Ortschaften
Die Hauptstadt von Wielkopolska Poznan /Posen/ hat eine wunderschöne Altstadt und zahlreiche historische Gebäude. Das Rathaus gehört zu den schönsten Renaissancebauten Mitteleuropas. In Poznan gibt es auch viele andere reizvolle, lebhafte Ecken nicht nur für Studenten wie z. B. Pubs, Klubs und Cafés. Jedes Jahr kommen 500 000 Besucher nach Posen, um eine der internationalen Messen zu besuchen. Die erste Poznaner Messe fand 1921 statt. Heute gibt es zu jeder Messe meist mehrere fachorientierte Veranstaltungen, von denen einige in Europa hoch anerkannt sind.
In Poznan beginnt die so genannte Route der Piasten. Sie führt durch Orte, die vor 1000 Jahren, während der Regierungszeit der ersten Dynastie der polnischen Könige, wichtige Zentren des Landes waren. An dieser Route stehen historische Gebäude. Das betrifft z. B. Gniezno /Gnesen/, das bis zum 11. Jh. Polens Hauptstadt war. Gnesen ist für seinen Kult um den Hl. Adalbert bekannt. Ein Sarkophag mit seinen Reliquien in der Gnesener Kathedrale aus dem 10. Jh. Bemerkenswert ist ebenfalls das landesweit berühmte Bronzene Tor von Gnesen aus dem 12. Jh.
Nahe Gniezno liegt der Lednicki-Landschaftspark (Lednicki Park Krajobrazowy), in welchem man archäologische Fundstellen und ethnografisch interessante Objekte entdeckte, die unter Schutz stehen.
Der Ethnographische Park Großpolens (Wielkopolski Park Etnograficzny) ist eines der größten Freilichtmuseen Polens.
In Biskupin hat man 1933 eine Wehrsiedlung der Lausitzer Kultur von 750–400 v.u.Z. freigelegt. Dank der sorgfältigen archäologischen Arbeiten konnte die Siedlung detailgetreu rekonstruiert werden. So kann man heute nicht nur die originelle Anlage der Siedlung mit ihrer Schutzwand aus Eichepfählen besichtigen, sondern auch die wiederhergestellten Innenräume der Häuser. Jedes Jahr im September reisen viele Menschen nach Biskupin, um an den aufwendig organisierten Archäologie-Tagen teilzunehmen.



